Der wahre Mehrwert dieser Technologie jedoch liegt in der sinnvollen, praxisbezogenen Nutzung: echte Herausforderungen meistern, Hürden überwinden, einen ganz konkreten und praktischen Nutzwert schaffen.
Seit ich mich mit den Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz beschäftige, habe ich unzählige kleinere (und auch einige größere) Probleme mithilfe von KI gelöst, für die es vorher nicht einmal eine Softwarelösung gegeben hätte oder die für viele Unternehmen einfach zu aufwändig, komplex oder schlicht zu teuer gewesen wäre.
Nachfolgend zeige ich einen Ausschnitt an Use Cases aus meiner beruflichen Praxis, aber auch aus meinem persönlichen Alltag, bei denen KI mir geholfen hat, pragmatische und schnelle Lösungen zu entwickeln.
Herausforderung
ChatGPT & Co. haben die Texterstellung revolutioniert. Ein großes Problem aber sind sensible Daten: Firmengeheimnisse, personenbezogene Daten, interne Infos. Diese zu bereinigen und unkenntlich zu machen ist händisch sehr aufwändig. Ganz zu schweigen vom umgekehrten Weg, die echten Daten später wieder einzufügen. Der Zeitgewinn, der in der Texterzeugung durch KI entsteht, schmilzt in der Datenpflege und -bereinigung wieder dahin.
Meine Lösung
Ein browserbasiertes Tool, mit dem die Ausgangstexte (Notizen, Stichpunkte) lokal im Browser anonymisiert werden. Der Vorteil: Namen, Firmennamen, Orte, Zahlen oder andere Daten müssen nur einmal eingegeben werden und können dann mit einem Klick umgewandelt werden. Der von einer KI erstellte Text kann über das lokale Tool ebenso schnell wieder mit den Echtdaten rückverwandelt werden. Zeitaufwand: in den allermeisten Fällen weniger als zehn Minuten für die Anonymisierung.
Umsetzung
Das Anonymisierungstool ist eines meiner älteren Tools, es wurde mit ChatGPT und Google Gemini erstellt und überarbeitet.
➤ Anonymisierungstool im BrowserHerausforderung
Meine Tochter hat im vergangenen Schuljahr das kleine Einmaleins gelernt, aber wenn sie nicht stetig dranbleibt, verblasst das Wissen wieder. Das Problem: die Motivation. Im nächsten Schuljahr sind genügend neue Themen hinzugekommen, da bleibt keine Zeit (und vor allem keine Lust), das 1 × 1 zu pauken – es sei denn, es gibt irgendeine Motivation. Meine Tochter liebt auch Katzen…
Meine Lösung
Eine leicht zu bedienende Web-App, die sie auch auf ihrem alten iPad nutzen kann. Sie bietet verschiedene Aufgaben wie Reihen 9-er, 8-er usw., diverse Spielmodi wie „Boss-Kampf“ oder „Tempo-Modus“. Der Clou: besteht sie die Aufgaben besonders gut, wird am Ende ein Katzenfoto freigeschaltet.
Umsetzung
Hier habe ich Claude mit den entsprechenden Frontend-Skills für die Webapps verwendet. Die Katzenfotos habe ich mit Artistly, einer Bilderzeugungs-KI, realisiert.
➤ Einmaleins-Web-AppHerausforderung
Eine Texterin geht in Elternzeit, aber die Texte werden dennoch gebraucht fürs Marketing. Versuche von Grafikern und Marketing Managern, die Texte mit KI selbst zu schreiben, schlagen fehl. Alles klingt abgedroschen, fad und KI-generiert. Außerdem fehlen wichtige Informationen oder werden falsch dargestellt. Der Aufwand verringert sich durch den Einsatz der Künstlichen Intelligenz kaum, denn zentrale Unternehmensinfos müssen immer wieder eingegeben werden.
Meine Lösung
Viel zu oft glauben Unternehmensverantwortliche, die KI werde es „schon richten“ und schöne Texte schreiben, Textschaffende seien überflüssig. Dabei wird allzu oft vergessen, dass Texter nicht nur die deutsche (oder welche andere Sprache auch immer) anwenden können, wenn es um Grammatik und Rechtschreibung geht. Sie haben Schreiben richtig gelernt. Sie können unterscheiden, welche Informationen relevant sind und wie sie aufbereitet werden müssen, damit Rezipienten „anbeißen“.
Hier setzte meine Lösung für eines der Unternehmen an, für das ich gearbeitet habe. Die KI brauchte einfach die Kompetenzen, die ich als Redakteur auch habe. Im konkreten Fall habe ich das mit einem angepassten „Custom GPT“ in ChatGPT realisiert. Et voilà: Der Grafiker kippte fortan nur noch seinen Input in den GPT, sagte ihm, was er brauchte (Social Media Post, Broschüre, Newsletter), und schon entstanden Texte, die so klangen, als hätte sie ein Redakteur oder Copywriter geschrieben.
Umsetzung
Ich fütterte den GPT mit allen relevanten Unternehmensinformationen, zeigte ihm, wie das betreffende Unternehmen „klingt“, wie es sich „anfühlt“. Ich gab ihm Informationen über Produkte und Dienstleistungen, nannte ihm die Kontaktkanäle. Dann erweckte ich die Texter-Kompetenz zum Leben. Per se nämlich wissen heutige KI-Modelle alles, was man über das Texten wissen muss. Man muss ihnen aber explizit sagen, dass diese Fertigkeit gefragt ist. Und: Künstliche Intelligenz tendiert zur sprachlichen Eintönigkeit. Auch das muss man ihr austreiben. Es erforderte schon einige Stunden, das Ganze aufzusetzen, aber das ersparte anschließend Stunde um Stunde der Verzweiflung.
Herausforderung
Die richtigen deutschen Anführungszeichen („Gänsefüßchen“ unten und oben) haben die meisten irgendwann einmal in der Grundschule gelernt. Spätestens als sie damit begannen, das Zoll-Zeichen (Shift-2) als An- und Abführung zu benutzen, haben viele das aber wieder vergessen. Professionelle Texter legen Wert auf eine korrekte Typografie. Und das bezieht sich nicht nur auf die Gänsefüßchen, sondern auch Gedankenstriche (der Fachbegriff dafür im Deutschen lautet „Halbgeviertstrich“), Auslassungspunkte usw. Während die Mac-Tastatur diese Sonderzeichen standardmäßig vorsieht, erreicht man sie auf einem Windows-Rechner nur über Umwege. Programme wie Word ersetzen sie zwar standardmäßig automatisch, aber viele Textprogramme tun dies nicht. Für professionelle Textschaffende ein Ärgernis. Ein zusätzliches Ärgernis für Menschen, die Google Docs professionell nutzen wollen: deutsche Typografie wurde bis heute nicht in Docs implementiert.
Meine Lösung
Eine Web-App, die dies automatisch übernimmt. Man fügt den Original-Text via copy & paste in ein Formularfeld und erhält per Knopfdruck die bereinigte Version.
Umsetzung
Meine Lösung berücksichtigt auch noch andere Sprachen, Sprachräume und Gepflogenheiten. Neben den englischen Typografiezeichen auch französische und schweizerische. Beispielsweise steht im Französischen vor Ausrufezeichen immer ein Leerzeichen, die Schweizer benutzen andere Anführungszeichen als in Deutschland und Frankreich üblich. Auch das Google-Docs-Problem wird gelöst, weil die Typografie je nach ausgewählter Sprache ersetzt wird, egal, welche Zeichen genutzt wurden.
Übrigens wird vor allem in Social Media oft die Behauptung verbreitet, man erkenne KI-generierte Texte an korrekten Gedankenstrichen, aber so stimmt das nicht, wie aus den vorangegangenen Erläuterungen ersichtlich wird. Warum KI trotzdem die korrekte Typografie benutzt, liegt am Trainingsmaterial. Sie wurde vor allem mit professionellen Texten trainiert.
➤ Typografie-Konverter für verschiedene SprachenEine Frage der Kreativität
Die oben gezeigten Beispiele sind nur ein kleiner Ausschnitt dessen, wie ich in den vergangenen Jahren vor allem generative KI genutzt habe, um Alltagsprobleme zu lösen, Prozesse zu beschleunigen, redundante und nervige Arbeiten zu automatisieren.
Die Möglichkeiten werden mit Künstlicher Intelligenz praktisch grenzenlos, allerdings braucht es Menschen, die auf die Idee kommen, Probleme kreativ mit maschineller Hilfe zu lösen. Aus meinen früheren Tätigkeiten bringe ich diese Kreativität mit. Mein tiefes technisches Verständnis hilft mir dabei, Lösungen zu entwickeln, die einen echten Mehrwert bringen.